Samstag, 24. November 2012

Also jetzt habe ich meinen Rythmus aber gänzlich unterbrochen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich die letzten drei Wochen ausnahmsweise mal was zu tun hatte. Leider muss ich aber sagen, dass meine Langeweile nicht durch einen plötzlichen Wandel in meinem Projekt verschwunden ist, sondern durch andere Faktoren, die ich jetzt exclusiv für euch erläutern werde :)
Also die Woche nach meinem letzten Eintrag war wie immer. Langweilig und sehr sehr lange!
Vorallem das Meeting Samstags, bei dem wir wiedermal nichts verstanden haben und das sich sehr lange hingezogen hat hat mir mal wieder gezeigt, dass ich jetzt umbedingt mein Projekt wechseln will. 
Aber danach hat das Wochenende einen sehr chinesischen Taste bekommen! Mit ein bisschen deutschem Beigeschmack! 
Wir waren nämlich von ein paar Chinesen dazu eingeladen ein Wochenende mit ihnen zu verbringen. Erstmal wurden wir da natürlich ständig zu sehr gutem Essen eingeladen. Wer von euch kann schon sagen er hätte in seinem Leben mal Fischmagen gegessen ;)
Aber das Sushi war auch sehr gut.
Außerdem haben sie uns am Abend zu einem Potluckdinner in Verbindung mit einer Cellgroup eingeladen. Zur Erklärung: Ein Potluckdinner ist ein Dinner, bei dem jeder was mitbringt und eine Cellgroup ist ein Treffen, bei dem man gemeinsam betet und singt... Das machen hier irgendwie alle Religionen. 
Auf jeden Fall fand diese Veranstaltung in einer riesen Villa statt, die einem deutschen Auswanderer und seiner malaiischen Frau gehört. Die haben dann vor ein paar Jahren, ob mans glaubt oder nicht, eine eigene Kirche gegründet. Die Leute bei diesem Potluckdinner waren alle aus dieser Gemeinde.. 
Es war wirklich mal spannend sowas zu hören und auch ein bisschen davon mitzubekommen, wie das so ist wenn man als Deutscher schon 40 Jahre lang in Malaysia lebt. 
Sonntags haben wir dann einen Gottesdienst von chinesischen Baptisten besucht. Das war mal was ganz anderes! Da gab es einen Prediger der nach meditativen Gesängen über den heiligen Geist die "erleuchteten" Leute angefasst hat, woraufhin diese umgefallen sind und zugedeckt wurden. Nachdem dann alle auf dem Boden lagen und der Prediger zuende gesungen hatte sind sie alle wieder aufgestanden. Ich war etwas geschockt, weil auf sowas war ich dann doch nicht gefasst...
Der restliche Tag bestand dann wie immer - ratet mal - aus mehrmaligem genießen von leckerem essen.

So die nächste Woche war dann mal wieder die Woche im Kindergarten. Und wir konnten es ja kaum glauben, aber dieses Mal waren doch tatsächlich Kinder da!!
Und als wir dem Chef dort dann erklärt haben, dass "social work" nich das Arbeiten in einem Büro betitelt, sondern das Arbeiten mit Menschen, haben wir uns tatsächlich dazu durchgekämpft etwas mit den Kindern machen zu können.
Wir haben also einen Sporttag mitgestaltet und die kleine "graduation Veranstaltung" am Freitag. Das war nämlich der letzte Schultag hier in Malaysia, bevor dann die Ferien Anfangen. Ferien haben die Schüler hier übrigens nur einmal im Jahr. Dafür aber von Mitte November bis Anfang Januar. Allerdings gibt es eine seltsame Sonderregelung, wegen der verschiedenen Religionen. Die muslimischen Kinder können beispielsweise während Hari Raya, ihrem wichtigsten Fest eine Woche Urlaub machen, müssen diese 5 schulfreien Tage allerdings an Samstagen nachholen.
Und wieder zurück zu unserem Kindergarten. Die Kinder dort schließt man auf jeden Fall sofort ins Herz und es macht sehr viel Spass etwas mit ihnen zu machen. Allerdings glaube ich, als besserwissende Europäerin, dass die Methoden bzw. die Art wie die Menschen hier ihren Kindergarten gestalten nicht umbedingt die richtigen sind. Warum sollten 3-6 jährige an einem Sporttag beispielsweise Aerobic mit ihrer Lehrerin machen, die eigentlich keine Ahnung von Aerobic hat?






Naja... Spass gemacht hat es auf jeden Fall wie ihr seht!!
Und weiter gehts mit der nächsten Woche! Wie immer wechselt mit der Woche auch die Kultur. Das indische Deepavali Festival stand nämlich vor der Türe. In meinem Programm ist, wie ihr ja schon in dem Eintrag an Hari Raya nachlesen könnt, inbegriffen, dass man während der großen Festivitäten der verschiedenen Kulturen eine Gastfamilie zugeteilt bekommt, um das Fest hautnah mitzuerleben.
Also sind wir am folgenden Wochenende, nach einigen Kämpfen mit afs bezüglich deren Organisation,die ich aber hier nicht weiter erläutern möchte, da sie sehr unschön sind, in eine indische Gastfamilie gezogen.


Deepavali ist eigentlich ein Lichterfest, deren direkte Bedeutung mir aber nicht mal die Hindus erklären konnten. Das scheint es aber hier öfters zu geben. Alle Zeremonien haben unendlich viele Details, deren Bedeutung der durchschnitts Hindu allerdings nicht mal halbwegs kennt.
Für mich hat das Fest bedeutet in den Tempel zu gehen und zu Freunden und Verwandten meiner Gastfamilie und dort ganz ganz viel zu Essen :) Das wichtigste Wort in Tamil ist anscheinend auch "sapre", was Essen bedeutet. Außerdem werden hier bei eigentlich jedem Fest Feuerwerkskörper angezündet!
Meine Gastfamilie war übriges sehr nett! Und ich hatte nicht nur Gast Eltern und Geschwister, sondern gleich eine ganze Großfamilie!Große Familie, aber leider kleine Englischkenntnisse... Allerdings sind Hände und Füße sowie etwas Bahasa Malayu auch gute Kommunikationsmittel!


Das hier ist sowas wie ein Zeichen um ein Haus zu segnen.. Das Bild ist aus gefärbten Reiskörnern gelegt und  wie ihr seht mit Lichtern bestückt, die das Lichterfest symbolisieren.

und das ist meine Gastfamilie:


Zusätzlich zu Deepavali haben wir zufälligerweise auch noch eine andere indische Zeremonie mitbekommen. Die Nichte von unserem Gastvater (Der übrigens nicht auf dem obigen Bild zu sehen ist) ist nämlich das erste Mal schwanger und befindet sich kurz vor der Geburt. In dieser Situation gibt es bei den Hindus eine Zeremonie. Ich denke mal, um um einen guten Verlauf der Geburt zu bitten und vielleicht auch um der Frau die Angst etwas zu nehmen.
Wir sind also morgens losgefahren Richtung Meer, wo die Familie von dem Gastvater lebt. Und wir hatten echt Glück, dass wir bei so netten Leuten gelandet sind. Sie haben mit uns vor der Zeremonie nämlich noch einen Brackwasserfluss und einen chinesischen Tempel am Meer besucht.





Was mich besonders beeindruckt hat ist, dass wir in den Mangrovenwäldern Quastenflosser gesehen haben. Das sind solche Urtiere, die in der Evolution zwischen Meer und Land stehen geblieben sind und die es nur noch sehr selten Gibt.


Macht das Bild groß, dann könnt ihr den Quastenflosser erkennen!!

Nach diesem schönen Ausflug hat dann die Zeremonie für die Schwangere stattgefunden. Das ganze hatte ein Bisschen was von Zauberei. Die Frau wurde von allen anderen Frauen gesegnet, die selbst schon Mütter sind und dann wurde sie von allen Anwesenden gefüttert. Manche Teile der Zeremonie waren auch weniger verständlich, wie zum Beispiel die Tatsache, dass die Schwangere sich bücken musste um eine Cocosnuss anzufassen, während ihr andere Frauen etwas auf den Rücken gemalt haben.


Der Sari, den die Frau trägt ist übrigens ihr Hochzeitssari. Der hat in der hinduistischen Kultur eine sehr große Bedeutung. Man trägt ihn an der Hochzeit, wenn man diese Schwangerschaftszeremonie hat und das Kind wird, wenn es auf der Welt ist in den Sari eingewickelt. Außerdem muss ihn die Tochter tragen, wenn sie das erste Mal ihre Periode hat. Aber nur für einen Tag. Danach darf man als indisches Mädchen erst wieder mit 21 einen Sari anziehen.

Das Füttern hat im Hinduismus auch eine sehr große Bedeutung. Die Inder füttern immer. Bei Geburtstagen, Hochzeiten, Verlobungen, im Tempel oder einfach nur beim Mittagessen. Wir wurden auch gleich von unserer Gastoma gefüttert. Das Füttern hat so eine Bedeutung wie: "Ich bediene dich, du wirst von mir versorgt, weil ich dich respektiere und du mir wichtig bist"... so kann man das vielleicht zusammenfassen.


Die Menschen waren auf jeden Fall alle sehr nett und ich mag indische Familienfeste wirklich gerne.


Aber leider mussten wir Freitags unsere Familie wieder verlassen. hauptsächlich aus dem Grund, dass mein Visum am 23. November abgelaufen wäre. Ich musste also von dem 23. aus Malaysia ausreisen, um mein Visum um 3 Monate verlängern zu können. Ursprünglich hieß es, dass afs sich an dem Wochenende nach Deepavali darum kümmern würde. Doch wie ich ja schon gesagt habe, ist die Organisation dieser Menschen unglaublich unorganisiert. So kam es, dass ich seit Freitag bis Dienstag 14! Mal bei der zuständigen Person angerufen habe und diese mir immer wieder gesagt hat, dass ich am nächsten Tag informiert werde, was aber nie geschehen ist, bis ich endlich am Mittwoch nach Thailand gefahren bin und mein Visum verlängert habe. So ein Stress!!!

Die restliche Woche hatte ich dann endlich mal was zu tun in meinem Projekt. Nur leider hatte das mal wieder nichts mit sozialer Arbeit zu tun. Wir haben für ein Programm, welches am Donnerstag stattfinden sollte Krönchen gebastelt und Geschenke eingepackt.
Ich muss aber sagen, dass mir dieses Programm etwas suspekt war. Meines Erachtens war das eine Parteiveranstaltung. Kleiner Hinweis: Hier sind bald Wahlen. Es waren nämlich neben den Zuschauern, die Orang Asli waren, sehr viele Politiker von upko, einer malaiischen Partei anwesend. Sie waren die "VIP Gäste" und für sie gab es auch die Geschenke und die Krönchen, die wir basteln mussten. Außerdem mussten alle anwesenden ein Partei T-shirt tragen. Inclusive uns. Sehr seltsam.
Angeblich ging es bei dem Programm darum, ein schreiben zu erstellen, das die Wünsche der Orang Aslis an die Regierung enthält. Genau bestätigen kann ich dies leider nicht, weil ich ja sehr wenig verstanden habe von dem was geredet wurde. Allerdings frage ich mich, warum bei soetwas die Partei selbst anwesend sein muss. Denn was die Orang Asli wollen müssten sie doch eigentlich selbst entscheiden. Und Diskutiert wurde auch nicht. Durch Vorträge, kommt man aber nicht zu einem gemeinsamen Konsens. Höchstens durch eine Abstimmung, die aber auch nicht stattgefunden hat.
Immerhin gab es gute Früchte zu essen und ich konnte das hiesige Bier probieren. Das ist einfach gegorenes Cocoswasser :)




Ein sehr positiver Nebeneffekt von dem Programm war aber, dass wir Freitags frei hatten. So konnten wir dem Angebot folgen, zusammen mit zwei Austauschschülerinnen aus den USA und Italien eine indische Verlobung mitzuerleben. Und um ehrlich zu sein: So was großartig anderes als eine Hochzeit ist das gar nicht. Es ist ein sehr Großes Fest mit allem drum und dran und sehr vielen Gästen.
Aber man glaubt es kaum, hier wird das noch so richtig zelebriert mit der Familienverbindung. Die Zeremonie beginnt damit, dass die Familie des Bräutigams sehr viele Geschenke an die Familie der Braut übergibt. Danach sitzen die Eltern der beiden Familien sich eine Zeit lang gegenüber und verhandeln über die Konditionen der Hochzeit. Dann wird die Braut gebracht und bekommt Geschenke und danach sieht man das erste mal das Paar gemeinsam auftreten. Also eine sehr traditionelle, für unsereins wahrscheinlich eine als altmodisch betitelte Art der Verlobung.






So jetzt bin ich wirklich wieder auf dem neusten Stand :) Auch wenn das ein sehr langer Eintrag war, viel Spass beim Lesen!! Nur noch eine kleine Info: Ab Montag werde ich die einzige Deutsche in meinem Projekt sein. Inga fliegt nämlich leider aus persönlichen Gründen zurück nach Deutschland...

Und noch ein "Hennai"-Bildchen zum guten Schluss: